Der Weg zum Jagdschein – die häufigsten Fragen zu Jägerausbildung und Prüfung

Wir selbst sind eine Jagdschule (www.JAGD-Schule.eu) für den Bereich Schwarzwald, Hochrhein und Nordwestschweiz, und versuchen auf dieser Webseite die häufigsten allgemeinen Fragen zusammen zu stellen, die wir von Jagdkursinteressenten bekommen. Wir achten auf unsere Unabhängigkeit, also dieser Service hier wird nur durch uns selbst finanziert, wir machen keine Werbung für bestimmte Jagdschulen oder Jagdausrüster, wir werden auch nicht gesponsert, und wir sind verbandsneutral.

Zusätzlich wollen wir Ihnen ein paar weitere Tipps zu geben, an was Sie alles denken müssen, um am Ende die für Sie am besten passende Jägerausbildung auszuwählen. Denn nicht nur die Jagd, sondern auch schon die Jägerausbildung kann und soll Freude machen!

Jäger werden

Sie überlegen sich den Jagdschein zu machen, also Jäger bzw. Jägerin zu werden. Das ist eine hervorragende Idee, und auf diesen Seiten wollen wir Sie mit ein paar weiteren Infos versorgen, was es eigentlich heisst Jäger zu sein, und wie man selbst am besten zum Jagdschein kommt.

Zusätzlich kann einem das eine oder andere Buch schon mal einen guten Einblick geben, z.B.  «Warum es schön, gut und vernünftig ist, auf die Pirsch zu gehen» von E. Fuhr (u.a. WELT Korrespondent für Kultur und Gesellschaft) oder «Siegfried Seibt: Grundwissen Jägerprüfung»

Die allermeisten machen Jagd als Freizeitbeschäftigung, aber es gibt auch einen Lehrberuf zum Berufsjäger (www.revierjaeger.de).

Spezielle Vorkenntnisse sind für einen Jagdkurs nicht nötig, Sie können sich alles Nötige während der Ausbildung aneignen. Wer mindestens 16 aber noch nicht 18 Jahre alt ist kann mit Einschränkungen auch schon Jagen (‚Jugendjagdschein‘).

Aber Sie müssten sich erst einmal eine anerkannte Jagdschule aussuchen, bei der Sie die Ausbildung machen wollen. Ein Jungjägerkurs (auch Jagdkurs genannt) muss mindestens 130 Stunden Unterricht umfassen (davon mindestens 40 Stunden praktischer Unterricht), Schiessausbildung zählt hierzu nicht mit*. Der Umfang dieser Jägerausbildung ist also sicher deutlich grösser als beim Führerschein, aber der oft zitierte Begriff des ‚grünen Abiturs‘ ist wohl etwas übertrieben und sollte Sie nicht abschrecken, den Jagdschein zu machen. Wer schon einen Kurs für den Fischereischein gemacht hat, kann sich die Jägerausbildung prinzipiell ähnlich vorstellen, nur dass der Umfang deutlich grösser ist, weil viel mehr Inhalte dazu kommen, z.B. korrekter Umgang mit Waffen oder Schiesstraining.

Nach erfolgter Ausbildung kann man sich für die staatliche Jägerprüfung anmelden, und mit guter Vorbereitung ist die Prüfungen zu bestehen. Landesweit* sind die Erfolgsquoten im Bereich von 80%. Und bei Nicht-Bestehen ist Wiederholung der Prüfung möglich.

Nach bestandener Prüfung kann man seinen ersten Jagdschein lösen, dazu sind allerdings noch einige Formalitäten nötig, z.B. polizeiliches Führungszeugnis und Jagdhaftpflichtversicherung, so dass schnell nochmal 2 Wochen ins Land gehen können, bis man den Jagdschein in Händen hält. Der Jagdschein gilt bundesweit, und wird auch in vielen anderen Ländern anerkannt.

Für die Dauer der Ausbildung sollte man etwa 3-6 Monate oder mehr einplanen (alleine die Anmeldung zur Jägerprüfung muss mindestens 4 Wochen vorher erfolgen*, und damit ist eine manchmal beworbene Ausbildung in 2-3 Wochen kaum möglich, es sei denn, man meldet sich schon zur Prüfung an, bevor man überhaupt richtig mit dem Kurs begonnen hat). Eine möglicherweise sehr kurze Präsenzphase ist also nicht mit der Gesamtausbildungsdauer zu verwechseln. Und zusätzlich ist zu bedenken, dass es sich empfiehlt – und ganz besonders bei kurzen Präsenzkursen - bereits ab der Anmeldung zum Jagdkurs mit dem Selbststudium zu beginnen um genug Zeit zur Prüfungsvorbereitung zu haben, so dass die tatsächliche Ausbildungsdauer noch länger ist und zwischen 6-12 Monate dauern kann.

Zum eigentlichen Jagen braucht man dann noch eine Jagdgelegenheit, entweder eine Jagdeinladung als Jagdgast bei Freunden (z.B. zu einer Treibjagd), einen längerfristigen eigenständigen Jagderlaubnisschein (meist Dauer 1 Jahr, mit Verlängerungsoption), oder nachdem man für 3 Jahre einen Jagdschein besessen hat, kann man sich auch ein eigenes Jagdrevier pachten (Nachteil ist die Mindestpachtdauer von 6 Jahren, in welcher der Jagdpächter alle Pflichten übernimmt, aber auch alle Rechte geniesst, z.B. das alleinige Anrecht auf die gesamte Jagdbeute in seinem Revier. Jagdgäste oder Jagderlaubnisscheininhaber jagen also de facto für den Jagdherren, haben dafür aber auch weniger Verpflichtungen.

Angebot und Nachfrage von Jagdgelegenheiten sind allerdings regional sehr unterschiedlich, aber in ländlichen Gebieten meist recht gut, dafür in der Nähe von grösseren Ballungsräumen schlechter. Auch Kosten variieren regional beträchtlich, so kann ein ganzjähriger Jagderlaubnisschein manchmal gegen entsprechende Mithilfe im Revier sogar gratis sein. Meist aber kostet eine Jagdgelegenheit wohl etwa 500 Euro, aber es können auch bis zu 2000 Euro pro Jahr und mehr sein.

Auch haben wir uns daran gemacht eine kleine ‚Checkliste‘ zu entwerfen, die Ihnen helfen soll, das grosse Angebot an Jagdschulen zu vergleichen, um das für Sie am besten passende Angebot herauszufinden.

Und nicht zuletzt ist es auch wichtig, herauszufinden, was denn die eigene Motivation fürs Jagen ist. Jäger sind nämlich eine sehr bunt gemischte Truppe, manchem reicht es einfach ein paar Mal im Jahr bei Freunden zum Jagen eingeladen zu werden, andere wollen selbst Verantwortung für ein Jagdrevier übernehmen. Dem ersteren mag ein Minimalprogramm genügen, er wird ohnehin nie wirklich alleine Jagen und kann bei Bedarf auf die Hilfe seines Gastgebers zurückgreifen. Dem letzteren ist vielleicht an einer mehr fundierten Ausbildung gelegen und ist auch bereit mehr Zeit in die eigene Jägerausbildung zu investieren, auch um in unerwarteten oder schwierigen Situationen auch besser gerüstet zu sein. Und natürlich mag für jemanden mit viel Vorwissen (z.B. weil er aus einer Jägerfamilie stammt und seit jungen Jahren mit auf der Jagd dabei ist) eine kompaktere Ausbildung vollends genügen.

Zur Prüfung und zum Jagdschein führen alle Ausbildungsgänge, jedoch sind die Schwerpunkte unterschiedlich und gerade bei der praktischen Ausbildung und der Schiessausbildung gibt es grosse Unterschiede.

Nach bestandener Prüfung und teilweise auch schon vorher steht es einem frei (und wir würden es empfehlen), sich in jagdlichen Interessenvertretungen einzubringen, entweder nur als einfaches Mitglied oder auch durch aktive Mitarbeit. Der schon länger bestehende Verband ist der Landesjagdverband und der jüngere, kleinere Verband ist der Ökologische Jagdverband. Weitere Informationen zu diesen Verbänden finden Sie z.B. unter www.landesjagdverband.de bzw. unter www.oejv.de.

*alle Angaben beziehen sich auf Regelungen in Baden-Württemberg, aber Bedingungen in anderen Bundesländern sind mehr oder weniger vergleichbar

Wie wird in Deutschland gejagt?

Warum es schön, gut und vernünftig ist, auf die Pirsch zu gehen. So lautet auch der Titel eines empfehlenswerten Buches von Eckhard Fuhr (WELT-Korrespondent für Kultur und Gesellschaft).

Jagd ist eine der ältesten Formen der Landnutzung (und unserer Meinung nach auch die Schönste)

Jagd hat aber auch heute und in Zukunft noch ihre Berechtigung. Und das beste Argument für die Jagd ist immer noch z.B. ein leckerer Rehrücken (und echtes Wildfleisch ist auch noch „besser als Bio!“).

Und schon gewusst, in Deutschland gibt es immer mehr Jäger, nämlich derzeit schon etwa 375 Tausend! Jagd ist also bei immer mehr Leuten wieder in, und dafür mag es viele gute Gründe geben, z.B. sich bewusster zu ernähren, besonders bei Fleisch, aber auch Naturerlebnisse mit allem was dazu gehört. Rein statistisch betrachtet kommt die steigende Zahl an Jägern vor allem daher, dass der Frauenanteil immer mehr steigt (dazu auch mehr Details auf dieser Homepage unter ‚Jägerin werden‘). Jagen ist also offensichtlich vor allem auch für Frauen interessanter geworden.

Es muss auch gejagt werden, um z.B. Schäden in Land- und Forstwirtschaft in Grenzen zu halten. Aber es braucht Jäger, die neben ihrer Passion auch immer mehr Professionalität mitbringen. Professionalität nicht nur für die Jagd selbst, sondern auch für das sogenannte Wildtiermanagement. Beim Wildtiermanagement geht es manchmal nicht mal so sehr um den Umgang mit den Wildtieren selbst, sondern oft mehr noch um den richtigen Umgang mit anderen Interessensgruppen, z.B. anderen Landnutzern, oder auch Naturschützern und sogar Tierschützern. Das schafft dauernde Anerkennung und Akzeptanz der Jagd und der Jäger in der Gesellschaft. Wildtiermanagement ist mittlerweile auch z.B. im neuen Jagdgesetz von Baden-Württemberg verankert, welches dementsprechend auch nicht mehr nur ein reines Jagdgesetz ist, sondern zu Recht folgenden Namen trägt: Jagd und Wildtiermanagementgesetz (JWMG).

Das eigentliche Jagdrecht gehört in Deutschland den Grundeigentümern. Diese können es aber nur selbst ausüben, wenn sie eine ausreichend grosse Fläche haben (=Eigenjagd), ansonsten werden sie mit anderen zu Jagdrevieren zusammengelegt.

Wer in Deutschland jagen will, braucht i.d.R. 2 Dinge:

1. Einen Jagdschein: Dazu muss man erst die Jägerausbildung und die Jägerprüfung absolvieren

2. Eine Jagdgelegenheit: Man kann sich entweder als Jagdgast einladen lassen, oder einen meist längerfristigen Jagderlaubnisschein geben lassen, oder selbst ein Jagdrevier pachten

Übrigens, schon gewusst: in Deutschland gibt es vergleichsweise immer noch wenige Jäger – dementsprechend gross sind Ihre Möglichkeiten!

Wie wird in der Schweiz gejagt?

Die Schweiz kennt 2 unterschiedliche jagdliche Systeme, wobei das eigentliche Jagdrecht immer in der öffentlichen Hand liegt (und nicht wie z.B. in Deutschland beim Grundeigentümer):

1. Revierjagdsystem (wie in Deutschland): also Jagd wird über Jagdreviere organisiert, und diese übernehmen dann die lokalen Jagdgesellschaften und deren Mitglieder

2. Lizenzjagdsystem (in der Schweiz auch Patentjagd genannt): dabei werden einzelne Jagdlizenzen an Jäger vergeben, aber viele Jäger können auf der gleichen Fläche jagen

Wer in der Schweiz jagen will, braucht auch einen Jagdschein (= dort Jagdpass genannt):

Jägerausbildung und Jägerprüfung werden zwischen Deutschland und Schweiz teilweise gegenseitig anerkannt. Ob das für einen persönlich möglich ist, sollte aber bei den jeweiligen Behörden bestätigt werden (meist ist dies das kantonale Amt für Jagd und Fischerei). Für viele Schweizer  ist daher auch eine Jägerausbildung in Deutschland eine Option.

Haben Sie auch schon gewusst, dass viele schweizer Jäger in Deutschland jagen? Wäre das auch etwas für Sie? Manche entschieden sich sogar später dazu, ein eigenes Jagdrevier in Deutschland zu pachten.

Auf dieser Webseite gehen wir vor allem auf die speziellen Regelungen in Deutschland ein. Aber wenn Sie in der Nordwestschweiz wohnen, können Sie uns gerne kontaktieren, da wir für diesen Bereich auch gut auskennen, auch wenn Sie sich zur Sicherheit letztlich immer trotzdem an Ihr kantonales Amt für Jagd und Fischerei wenden sollten (das gilt nicht nur für Schweizer, sondern auch für Deutsche, die in der Schweiz wohnen).

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